Die Zusammenarbeit zwischen Banken bzw. anderen Finanzierungsinstituten und Unternehmen war in den letzten Jahren keine einfache und die allgemeine Wahrnehmung entwickelte sich immer mehr in die Richtung, dass es “unmöglich” geworden sei Fremdfinanzierungen zu akzeptablen Bedingungen zu bekommen. Und damit meine ich nicht die Kosten der Finanzierung, was in Niedrigzinszeiten wie diesen kein Thema ist, sondern die diversen Bedingungen und Auflagen, die an Finanzierungen geknüpft werden. Immer stärker greifende nationale und internationale Regularien haben früher durchaus flexibel gehandhabten Verhaltensmuster einen Riegel vorgeschoben.

Ja es stimmt, objektiv betrachtet ist es wesentlich schwieriger oder vielleicht aufwändiger” geworden, Fremdfinanzierungen zu erhalten. Es ist aber weder unmöglich, noch stimmt es, dass man ein Kreditengagement nur bekommt, wenn eine 150%ige Sicherheit deponiert wird, wie mitunter flapsig behauptet wird.

Was jedoch noch mit Sicherheit wichtiger geworden ist, ist die umfassende Vorbereitung des Unternehmens auf das Bankengespräch. Wenn ich mit Vertretern von Banken spreche, die mit der direkten Betreuung von Kunden zu tun haben, höre ich immer wieder ähnliche Aussagen – die Kreditwerber kommen häufig schlecht vorbereitet, mit lückenhaften oder veralteten Unterlagen und können schlecht darstellen oder erklären wozu das gewünschte Darlehen eigentlich dienen soll, welche wirtschaftlichen Effekte dadurch erzielt werden und welche positiven Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb sich dadurch ergeben.

Was sollte man also idealerweise tun?

Ein wesentlicher Schritt der Vorbereitung ist, sich auf die Art und Weise einzustellen wie die einzelnen Finanzierungsinstitute ihre Kunden bewerten und welche Unterlagen und Informationen sie dabei heranziehen. Ja, da gibt es teils erhebliche Unterschiede. Gute Berater im Bereich Corporate Finance wissen um die Besonderheiten der einzelnen Banken, aber in der Regel bekommt man auch die Auskunft wie die Ratingkriterien aussehen.

Neben “hard facts” wie z.B. Kapitalstruktur, Umsatzrentabilität, Rückzahlungsfähigkeit, Working Capital, Cash Flow um einige Ansatzpunkte zu nennen, spielen auch “soft facts” eine wesentliche Rolle. Diese “soft facts” reichen von der Formulierung einer nachvollziehbaren Strategie, über die Qualität der Planungsrechnung und deren Akkuratesse und Plausibilität, bis hin zu Managementkompetenzen, Marktentwicklungen, Mitbewerber, etc. etc.

Alle diese Fakten werden im Rahmen des Ratingprozesses durch unterschiedlichste Gewichtungen zu einer Bonitätsklasse zusammengeführt und damit für einen Indikator der Ausfallswahrscheinlichkeit für die Bank. Aus diesem Indikator leiten sich dann Konditionen, Bedingungen und gegebenenfalls additive Sicherheit ab.

Welche Unterlagen sollten Sie also für ein Bankgespräch vorbereiten?

  • Als wichtigstes Dokument: die klare und nachvollziehbare Darstellung der Unternehmensstrategie und des Business Case in Form eines aussagekräftigen und plausiblen Dokuments bzw. Präsentation samt nachvollziehbarer Darstellung der Mittelverwendung. Über die Strukturierung einer derartigen Unterlage werden Sie mehr in meinem nächsten Blog lesen können.
  • Die Bilanz der letzten drei Geschäftsjahre, wobei es einen guten Eindruck macht, wenn die Bilanz des letzten Geschäftsjahres 2 bis 3 Monate nach Ende des Geschäftsjahres fertig und durch einen Wirtschaftstreuhänder testiert vorliegt.
  • Sollten relevante Beteiligungen bestehen oder eine Muttergesellschaft, sind auch das Beibringen der aktuellen Bilanzen dieser Gesellschaften sinnvoll. Sie werden ohnehin früher oder später angefordert.
  • Eine aktuelle Saldenliste der relevanten Gesellschaften.
  • Ein aktueller Soll-Ist Vergleich des laufenden Geschäftsjahres.
  • Darstellung der Unternehmensstruktur mit Beteiligungsverhältnissen und Nennung der Gesellschafter.
  • Unternehmensorganigramm der Aufbauorganisation.
  • Planung über zwei dem aktuellen Wirtschaftsjahr folgende Jahre.
  • Cash Flow Berechnung.
  • Aktuelle Auszüge Finanzamt und Krankenkasse, um zu dokumentieren, dass es entweder keine Rückstände gibt oder im Falle von diesen, Vereinbarungen getroffen wurden.

Zur Vorbereitung gehört auch unbedingt, dass man sich die aktuellen Unternehmensauskünfte (aller!) großen Auskunfteien besorgt und sich einmal ansieht, ob die Informationen stimmen oder noch aktuell sind. Fehlen wesentliche Informationen, stimmen Fakten nicht oder sind eventuell sogar falsche negative Informationen in den Auskünften enthalten, dann ist jetzt Zeit zu handeln und Ergänzungen und Sicherstellungen vorzunehmen.

Falls man privat laufende oder abgezahlte Kredite oder Leasingfinanzierungen hat, macht es auch durchaus Sinn einen Blick in die Kleinkreditevidenz zu werfen, ob dort der aktuelle Status der Realität entspricht.

Ich habe mir sagen lassen, dass auch Kundenbetreuer Google und die Sozialen Netzwerke als Informationsmedium heranziehen. Wann haben Sie das letzte Mal auf Google den eigenen Namen und das eigene Unternehmen gegoogelt? Überraschungen mitunter garantiert! Falls man Profile in sozialen Medien hat, schadet es auch nicht mal nachzusehen wie diese aktuell aussehen und entsprechend anzupassen.

Das nächste Mal werden wir uns vertieft mit einzelnen Dokumenten auseinandersetzen.

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben und ich hoffe, ich konnte Ihnen einige hilfreiche Informationen geben. Bis zum nächsten Mal. thomas.kolm@ttp-mbd.at