Herzlich willkommen zum Abschluss der Crowd Investment Trilogie.
Der erste Teil war den aktuellsten Entwicklungen gewidmet und im zweiten Teil habe ich Crowd Invesment aus der Sicht eines potentiellen Investors beleuchtet.

Heute möchte ich dieses Thema aus der Perspektive des Unternehmers betrachten, der Crowd Investment als Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung heranziehen möchte.

Aus meiner persönlichen Sicht möchte ich erläutern wann es für einen Unternehmer Sinn macht, sich mit Crowd Finanzierung zu beschäftigen und wo die Vorteile liegen können.

Fangen wir mit dem wichtigsten an. Crowd Investment ist ein klar reguliertes Finanzierungsinstrument (AltFG – Alternativfinanzierungsgesetz), das Unternehmen in die Lage versetzt, Unternehmensfinanzierung auf breiter Basis zu generieren. War letztendlich ein mühsamer Weg, aber dank einiger hartnäckiger Proponenten steht diese Finanzierungsform seit 2015 auf der Basis klarer Regelungen und nach einer gewissen Anlaufphase kam das Instrument in der „Crowd“ auch tatsächlich an.

Vielleicht ein paar Basics vorweg: Wie bei jeder anderen Unternehmensfinanzierung müssen Geschäftsidee, Geschäftskonzept, Business Case, Gründer- und Managementkompetenz, Proof of Concept etc. auch hier passen. Schrottideen und unfähige Gründer werden auch bei dieser Finanzierungsform keinen Erfolg haben. Und natürlich wird jede seriöse Crowd Investment Plattform, bevor sie ein Unternehmen zum Investment anbietet, dieses auch wie jeden anderen Investmentcase tiefgehend überprüfen. Haben diese Plattformen neben der gesetzlichen Verantwortung, vor allem auch das Interesse, die angestrebte Fundingschwelle (das ist die Mindestsumme die erreicht werden muss, damit ein Investment zustande kommt) zu erreichen, sicherzustellen, dass regelmäßig die versprochenen Zinsen gezahlt werden und am Ende der Laufzeit das Investment vollständig getilgt wird, eventuell verknüpft mit einer Bonuszahlung. Und am wenigsten brauchen derartige Plattformen Unternehmen, die während der Finanzierungsphase insolvent werden.

Ein weiterer, meiner Meinung nach extrem wichtiger Punkt ist die gute Kommunizierbarkeit der Geschäftsidee an die „breite Masse“ (Crowd). Die Leute müssen leicht verstehen, was das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens ist, wie hoch die Innovation ist, die dahinter steckt und der Nutzen, den das Produkt oder die Dienstleistung bietet. So werden es z.B. komplexe, erklärungsbedürftige technische Innovationen bei weitem schwerer haben die gewünschte Finanzierungshöhe zu erreichen, als zum Beispiel ein innovatives Produkt des täglichen Lebens oder die gerade florierenden Immobilienfinanzierungen. Schauen Sie sich mal die Angebote der diversen nationalen und internationalen Crowd Plattformen durch – Sie werden sofort verstehen was ich meine.

Wobei es mittlerweile auch Anbieterplattformen gibt, die sich auch um komplexere, schwieriger zu verstehende Geschäftsmodelle kümmern und diese inhaltlich gut aufbereitet speziellen Investorenzielgruppen anbieten. Ein interessanter Weg!

Weiters muss ein Wille zu Transparenz vorhanden sein. Unternehmer, die wie eine brütende Henne auf den kaufmännischen Parametern Ihres Unternehmens sitzen,werden keine Möglichkeit bekommen eine Crowd Finanzierung zu erreichen. Crowd Investoren haben so wie jeder Investoren das Recht,regemäßig Informationen über das Unternehmen zu erhalten, in das sie investieren wollen oder investiert sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist – nennen wir es mal „Crowd Involvement“ oder simpler Kundenbeziehungsmanagement. Crowd Investment sprengt häufig den klassischen Finanzierungsansatz „Ich investiere Geld in eine Idee und erwarte mit dafür einen bestimmten ROI“. Mit Crowd Investment kann ich Kunden, Lieferanten, Partner, Mitarbeiter und Dritte viel stärker über das Produkt oder die Dienstleistung binden, sie können zu mehr als reinen Geldgebern werden, haben eine höhere emotionale Bindung zum Unternehmen und fungieren nicht selten als Ambassadoren der Geschäftsidee. Ein toller Multiplikator, wenn es funktioniert!

Was macht aber Crowd Investment – abgesehen davon, dass man als Unternehmer eine große Anzahl an potentiellen Geldgebern ansprechen kann – so attraktiv? Ganz einfach.
Üblicherweise werden die Geldmittel in Form eines qualifizierten Nachrangdarlehens zur Verfügung gestellt. D.h. keine wie immer gearteten Eigentümerrechte und keine Beteiligung an der Substanzsteigerung des Unternehmens (lassen wir Sondervereinbarungen einmal außen vor). Herrlich aus Unternehmersicht, kein Zweifel, weil der Unternehmergewinn bei den bestehenden Eigentümern verbleibt.
Gemessen am Risiko sind die Zinszahlungen in der Regel sehr moderat. Sieht man sich aktuelle Angebote an, liegen die Zinsversprechen bei durchschnittlich 4,5 bis 6 Prozent. Ein für Risikokapital vergleichsweise moderater Wert. Und diese Bedienung der Zinszahlungen (und Tilgungszahlungen) können und dürfen (auch wenn sie garantiert sind!) nur erfolgen, wenn die Zahlungen aus dem Jahresüberschuss oder freien liquiden Mitteln gedeckt sind. Das Unternehmen darf nicht zahlen, wenn z.B. eine Fortbestandsgefährdung vorliegt. Eine seriöse Crowd Investment Plattform wird aber akribisch darauf schauen, dass dieser Fall nicht eintritt. Ist einfach eine Sache der Seriosität.

Allerdings kann natürlich ein unternehmerisches Projekt auch schiefgehen und sind es auch schon in genügender Anzahl. Dann muss der Unternehmer im Zuge des Insolvenzverfahrens das nachrangige Darlehen zwar mit der vereinbarten Quote bedienen, aber erst nachdem alle anderen Gläubiger befriedigt sind – also vermutlich nie.

Sie sehen also: in Summe kann Crowd Investment für ein Unternehmen ein durchaus attraktives Instrument sein – sowohl von der Breitenwirkung, den Zinskosten, dem Erhalt der bestehenden Eigentümerstruktur und den geringen Risiken.

So, das war es vorerst mit der Crowd Invesrment – Trilogie. Sind aus Ihrer Sicht Fragen offen geblieben? Dann freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme und wie auf Ihr Feedback: thomas.kolm@ttp-mbd.at