Crowd Investment – Eine persönliche Reflexion aus Investorensicht

In meinem letzten Blog „Crowd Investing – Welcome to Reality“ habe ich begonnen das Thema Crowd Finanzierung unter dem Aspekt der realen Risikoaspekte, die diese Finanzierungsform mit sich bringt, zu betrachten.

Heute möchte ich das Thema aus der Perspektive des Investors, der Crowd Investments in sein Portfolio aufnehmen möchte, betrachten. Eine Basisschulung zu diesem Thema würde den Umfang des Blogs bei weitem sprengen. Vorallem weil es mittlerweile sehr gute Aufbereitungen zu dem Thema gibt. Beispielhaft dafür möchte ich eine herausgreifen, da diese einen hervorragenden Überblick dazu gibt: https://www.gruenderservice.at/Content.Node/gruenden/Broschueren/jw_lf_powerofthecrowd_2014.pdf

Wie ich schon in meinem letzten Blog geschrieben habe, finde ich es wirklich gut, dass durch den Trend “Crowd Finanzierung“ das Thema „Investitionen in Unternehmen“ einer breiteren Bevölkerungsschicht zugängig gemacht wurde und durch das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) auch klare Regeln dafür geschaffen wurden. Und es ist wirklich zu befürworten, dass dadurch der österreichische Kapitalmarkt breiter gemacht wurde, um ein attraktiveres Umfeld für Unternehmensneugründungen zu generieren.

Durch die Crowd Finanzierung und den vielen Plattformen, die dieses Instrument in Österreich anbieten, wurde endlich eine Projektfläche für die unterschiedlichsten unternehmerischen Ideen geschaffen und die einfache Möglichkeit für Personen, sich bei diesen Ideen unternehmerisch zu engagieren.

Und genau da hakt es meiner Meinung nach erheblich. Eine Meinung, die sich durch viele Gespräche mit Personen, die sich für persönliche Crowd Investments interessieren, gebildet hat. Die meisten sind nämlich der Meinung, dass sie sich durch Crowd Finanzierung direkt am Unternehmen beteiligen.

Schwerer Fehler und wie die Profis wissen – ein großer Irrtum!

Die meisten (ich gebe zu – zu 100% habe ich das nicht durchrecherchiert) Crowd Finanzierungen sind nichts anderes als qualifizierte Nachrangdarlehen. Oft auch als partiarische Nachrangdarlehen bezeichnet. Die grundsätzlichen Nachteile dieser Finanzierungsform sind offensichtlich:

  • Keine wie immer gearteten Eigentümerrechte.
  • Kein Sekundärmarkt (bis dato), an dem ich meinen „Anteil“ handeln könnte.
  • Zins- und Tilgungszahlungen (auch wenn sie garantiert sind!) können (und dürfen!) nur erfolgen, wenn die Zahlungen aus dem Jahresüberschuss oder freien liquiden Mitteln gedeckt sind. Das Unternehmen darf nicht zahlen, wenn eine Fortbestandsgefährdung vorliegt.
  • Keine Beteiligung an der Substanzsteigerung des Unternehmens. Das stellt aber einen der wesentlichen Eckpunkte jedes Unternehmertums dar – die Steigerung der Wertigkeit der Anteile.
  • Im Insolvenzfall erhält der Crowd Investor (Darlehensgeber) den aliquoten Teil seines Investments zurück, wenn alle anderen Gläubiger bedient sind. Also vermutlich nie. Das Investment ist weg – Unternehmerrisiko!

Natürlich prüfen die seriösen österreichischen Plattformen, bevor sie Unternehmen zum Investment anbieten, die Geschäftsidee, Businesspläne etc. Aber eine Garantie, dass deshalb das Investment (Darlehen!!!) gut verzinst und erfolgreich vollständig an den Darlehensgeber rückgeführt wird, gibt es natürlich nicht.

Falls es gut läuft, kann Crowd Investment jedoch eine feine Sache sein. Durchwegs sehr attraktive Verzinsungen und am Ende des Vertrages – wenn es denn im Vertrag steht – eine Art Bonusverzinsung, wenn sich der Unternehmenswert „meines“ Unternehmens entsprechend entwickelt hat. Und das ist im Vergleich zu sonstigen Standardangeboten eine durchaus lohnende Perspektive.

Somit stellt sich die Frage – soll man sich als Investor mit Crowd Finanzierungen näher beschäftigen?

Ich tendiere – trotz der vorhandenen „Nachteile“ – zu einem klaren JA. Einfach weil es ein Instrument ist, bei dem man mit geringen Beiträgen in unterschiedlichste Unternehmen investieren, eine breite Risikostreuung schaffen und an deren langfristigen Performance – die richtigen Verträge vorausgesetzt – profitieren kann. Voraussetzung ist, dass man an das Investment mit der gleichen Professionalität herangeht, die man bei jedem Eigenkapital-Investment walten lassen sollte und sich einfache Fragen (mit manchmal schwierigen Antworten J) stellt:

  • Wie sieht der bediente und zukünftige Markt aus?
  • Welches Problem löst, welchen Nutzen stiftet, welche Einzigartigkeit besitzt das Produkt oder die Dienstleistung in diesem adressierten Markt?
  • Wer steht hinter dem Unternehmen als Eigentümer und Management?
  • Welche Erfahrung und welche Marktkenntnis besitzen diese Personen?
  • Wie sehen die Beteiligungsbedingungen aus?

Und last but not least: keine subjektiven, emotional getriebenen Investmententscheidungen treffen und sich klar darüber sein, dass, je nach strapazierter Statistik, sechs bis sieben Start-Ups die ersten drei Jahre ab Gründung nicht überstehen. D.h. teilt man sein Crowd Investment Portfolio auf zehn Unternehmen auf, sollten statistisch zumindest drei bis vier erfolgreich sein.

Das nächste Mal möchte ich die „Crowd Trilogie“ mit einer Betrachtung aus Unternehmenssicht abschließen. Wann macht es aus meiner Sicht für Unternehmer Sinn, sich mit Crowd Finanzierung zu beschäftigen und wo liegen die Vorteile.

Wie sehen Sie das Thema Crowd Finanzierung? Ihre Meinung interessiert mich und ich freue mich auf Ihr Feedback. Thomas.kolm@ttp-mbd.at