Jetzt sind sie also da, die ersten größeren Pleiten von Unternehmen in Österreich, die über Crowdinvesting bei privaten Investoren Geld eingesammelt hatten und dann, mitunter sehr überraschend, Insolvenz anmelden mussten. Ich möchte jetzt keine Namen nennen – „Dr. Google“ – hilft allen problemlos weiter, die Details dazu wissen möchten.

Damit machen die ersten österreichische „Crowdinvestoren“ eine Erfahrung, die man aus anderen Ländern bereits seit längerem kennt – Risikokapital birgt doch tatsächlich Risiken, bis hin zum totalen Verlust des Einsatzes.  

Und wenn man sich dann die ersten Reaktionen in diversen einschlägigen Foren ansieht, fühlt man sich darin bestätigt, dass Österreich noch immer ein Land der Bausparer und Sparbuchfetischisten ist. Und dies bei Habenzinsen, die sich aktuell noch immer deutlich unter 0,5% befinden und einer Inflation, die sich von 1,5% auf 1,7% gem. ÖNB bewegen wird. Risikoinvestments spiegeln sich allerhöchstens im Bereich von österreichischen Staatsanleihen wider – um es mal etwas pointiert auszudrücken.

Von einer Abzocke ist da zu lesen, von Menschen die genug Geld haben und es sich leisten können ein paar Tausender zu verlieren, von einer neuen Möglichkeit den Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen, etc., etc. Belassen wir es dabei, der Blog dient nicht dazu Negativismen zu verbreiten.

Um es klar zu sagen – Crowdfunding bzw. Crowdinvesting hat nichts mit Abzocke oder Pyramidenspiel zu tun, sondern hat Dank des Alternativfinanzierungsgesetzes 2015 einen klaren gesetzlichen Rahmen erhalten, an den sich jene Unternehmen, die in Österreich tätig sind, auch halten.

„Sparbuch kann Jeder“, und es kann kaum etwas dabei schiefgehen. Eventuell das Losungswort vergessen. Man bekommt zwar keine Zinsen, zahlt in Zeiten wie diesen bei der einen oder anderen Bank sogar Negativzinsen, aber das Kapital bleibt erhalten.

Crowdinvesting richtet sich an mündige Investoren, die sich selbst ein Bild von der Investitionsmöglichkeit machen müssen, wollen und können und denen bewusst ist, bzw. bewusst sein muss, bzw. klar bewusst gemacht werden muss, dass sie ihren gesamten Kapitaleinsatz auch verlieren können.

Man muss schon in der Realität bleiben. Unternehmen und insbesondere Start-Ups können nun mal insolvent werden. Und jeder professionelle Fondsmanager oder Investor weiß, dass „bestenfalls ein oder zwei Unternehmen aus zehn“ zu einer wirklichen Erfolgsstory werden können. Die anderen krebsen mehr schlecht als recht herum oder verschwinden eben vom Markt.

Gerade deshalb möchte ich eine Lanze für diese Finanzierungsform brechen. Ein Grundproblem für Neugründer, oder bestehende Unternehmen, die Wachstumskapital in Österreich suchen, ist, dass es nach wie vor viel zu wenig privates Risikokapital gibt. http://derstandard.at/2000037185125/Start-ups-Noch-immer-wenig-privates-Risikokapital-in-Oesterreich. Ein Artikel aus dem Mai 2016, der aber noch immer Gültigkeit besitzt.

Crowdinvesting bietet die Möglichkeit für die breite Masse der Österreicherinnen und Österreicher, die nach Veranlagungsmöglichkeiten abseits des jahrelang gelernten Mainstreams suchen, mit überschaubarem Risiko und mit kleinen Beträgen zu investieren, zu „riskieren“ (mit besserer Gewinnchance als bei Lotto) und Mitunternehmer und Investor zu werden. Vielleicht gelingt es über das Vehikel Crowdinvesting die konservative Veranlagungsmentalität der Österreicher aufzuweichen und einen positiven Zugang zu den Themen „Unternehmertum“ und „Risikokapital“ zu schaffen. Deshalb empfinde ich Crowdinvesting als eine Bereicherung für eine innovative und zukunftsorientierte österreichische Wirtschaftswelt.

In meinem nächsten Blog möchte ich mich mit den fachlichen Aspekten von Crowdinvesting beschäftigen, worauf Investoren aus unserer Sicht achten sollten, und ob es so etwas wie „golden rules“ gibt. Danke, dass Sie meinen Blog auch diesmal gelesen haben und ich freue mich über jede Form von Feedback. Thomas.kolm@ttp-mbd.at